„Stille Verhandlung“

Stille Verhandlung bedeutet, dass man nicht mit Worten, sondern über das Tun zu Verhandlungsergebnissen kommen kann. Ein klassischer Fall, bei dem diese Methode gut eingesetzt werden kann, sind Einigungen zu Prioritätensetzungen in einer Gruppe, also Fragen wie: Was machen wir als erstes? Welche Variante ist die beste, zweitbeste, drittbeste etc.? Was wollen wir auf jeden Fall, was ist verzichtbar?

In Gruppen, die verbal von wenigen Personen dominiert werden, kann dies spannende neue Erkenntnisse bringen, weil auch leise Stimmen besser zur Geltung kommen. Außerdem kann sie hilfreiche Wendungen in festgefahrenen Diskussionsprozessen erzeugen.

Wie wird eine Stille Verhandlung durchgeführt?

Für eine Stille Verhandlung braucht man Moderationskarten, Stifte und am besten einen Tisch. Je nach Fragestellung werden verschiedene Prioritäten einzeln auf die Karten geschrieben und in zunächst beliebiger Reihenfolge untereinander auf den Tisch gelegt (die erste Priorität steht ganz oben, die niedrigste ganz unten). Die Anzahl sollte überschaubar bleiben (maximal 8) und die Prioritäten müssen allen Teilnehmenden klar sein. Dazu werden die Prioritäten oder Optionen zuvor mit den Teilnehmenden gesammelt (aber eben nicht vertiefend diskutiert).  Die Gruppe steht um den Tisch herum. Dort, wo man die Karten am besten einsehen kann, ist die „Verschiebestelle“.

Es wird für das Prozedere absolutes Stillschweigen vereinbart. Alle Teilnehmenden haben nun in bis zu drei Runden die Möglichkeit, einer nach dem anderen, die Reihenfolge der Karten gemäß eigener Prioritätensetzung zu verändern. Sie/er darf allerdings nur bis zu 3 Karten in ihrer Position verschieben (gemessen an 8 Karten insgesamt), kann aber auch einfach weitergehen. Im Laufe der Runden werden einige Karten mehrfach ihre Position wechseln, andere verbleiben mitunter immer an der gleichen oder ähnlichen Position. Alle haben die Möglichkeit den Prozess genau zu beobachten.

Im Verlauf der Runden, so die Theorie, werden die meisten ihre Verschiebeaktivität dem Gesamtprozess nach und nach anpassen, so dass am Ende die Verschiebungen der Karten immer mehr nachlässt und sich eine für die Gruppe tragbare Prioritätensetzung herauskristallisiert.

Im Anschluss an das stille Prozedere bietet sich eine kurze Auswertung an, bei der die Empfindungen der Teilnehmenden beim Verschiebeprozess und ihre Beobachtung abgefragt und Kommentare zum Ergebnis eingeholt werden. Eine hier entstehende Diskussion sollte moderiert werden – ohne das Ergebnis in Frage zu stellen.